Frauen hört die Signale!

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Herzinfarkt: Ladykiller No. 1

Belastungs-EKG - Foto: EKE
Beim Belastungs-EKG werden die Arbeitsleistung und die dabei auftretenden Veränderungen der Herz- und Kreislauffunktion gemessen.
Foto: EKE

Der Herzinfarkt ist eine typische Männererkrankung? – Das war einmal und gehört heute längst der Vergangenheit an! Mittlerweile geht die Infarktrate bei Männern sogar deutlich zurück, während sie bei Frauen stetig ansteigt. Allein in Deutschland erleiden über 130.000 Frauen pro Jahr einen Herzinfarkt. Rund die Hälfte überlebt ihn nicht! Dennoch können sich viele Frauen und ihr soziales Umfeld immer noch kaum vorstellen, dass für sie diese Gefahr besteht. „Frauen verdrängen den Herztod noch immer“, konstatiert Prof. Dr. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie im Elisabeth-Krankenhaus Essen. „Das ist verhängnisvoll, denn nur das Wissen über die Krankheit und ihre Signale kann die Situation für die Frauen verbessern und Leben retten!“

Natürlich haben die Risikofaktoren, denen sich Frauen in den letzten Jahren aussetzen, zugenommen. Rauchen, Übergewicht, ein hoher Cholesterinspiegel, ein unbehandelter Bluthochdruck, die Anti-Baby-Pille, Bewegungsmangel, Stress – all das sind Faktoren, die einen Infarkt begünstigen können. Auch die Hormonersatztherapie, von der man früher annahm, sie könnte Frauen nach den Wechseljahren vor einem Herzinfarkt schützen, ist heute umstritten. Aber das sind nicht allein die Gründe, warum Frauen heute häufiger am Infarkt sterben als Männer. Die Unwissenheit vieler Frauen um diese Krankheit ist eine der Hauptursachen.

Kostbare Zeit

Die Herzkranzgefäße versorgen normalerweise das Herz mit Nährstoffen und Sauerstoff. Bei einem Infarkt wird eines dieser Gefäße durch ein Blutgerinnsel verstopft. Das nicht mehr versorgte Herzmuskelgewebe stirbt ab. Das kann verhindert werden, wenn es Medizinern gelingt, innerhalb weniger Stunden nach einem solchen Ereignis das verschlossene Gefäß wieder zu öffnen. Daher sollte jeder bei Verdacht auf einen Infarkt so rasch wie möglich im Krankenhaus behandelt werden: Denn die Chance zu überleben, aber auch die Belastbarkeit und Lebensqualität danach, hängen unter anderem davon ab, wie schnell der Verschluss mit Medikamenten beseitigt oder mit einem Ballonkatheter aufgedehnt werden kann.

Der Herzinfarkt gehört also zu denjenigen lebensbedrohlichen Erkrankungen, bei denen jede Minute zählt. Und hier liegt einer der Gründe, warum die Prognose einer Frau nach einem Infarkt derzeit noch deutlich schlechter ist als bei Männern. Jede dritte Frau über 65 stirbt am Infarkt, noch bevor sie die Klinik erreicht. Bei Frauen vergeht häufig zu viel kostbare Zeit, bis der Rettungsdienst gerufen und der Infarkt diagnostiziert wird. Die Ursachen hierfür: Erstens rechnen viele Frauen selbst nicht damit, dass ihre Herzkranzgefäße gefährlich eng geworden sind und ihnen ein Infarkt droht. Zweitens erlebt die Betroffene einen Infarkt und dessen Vorzeichen häufig anders als ein Mann.

Der kleine Unterschied

Frühwarnzeichen, mit denen sich ein Herzinfarkt ankündigt, sind bei Frauen und Männern anders. Viele Frauen würden wahrscheinlich eher einen Infarkt bei ihrem Mann erkennen als bei sich selbst. Denn die Symptome des männlichen Infarkts sind hinreichend bekannt: Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen. Frauen hingegen verspüren nur selten Enge oder Schmerzen in der Brust. Viel häufiger macht sich bei ihnen ein drohender Infarkt durch extreme Müdigkeit, Schlafstörungen, einen Knick in der Leistungskurve, Kurzatmigkeit, schwere Schwindelgefühle, Schmerzen im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern sowie durch Appetitlosigkeit, Erbrechen und Übelkeit bemerkbar. Aber auch untypische Beschwerden wie Schweißneigung oder Angstgefühl können Hinweise auf einen Infarkt sein.

Studien zeigen, dass zwei Drittel aller Frauen, die einem plötzlichen Infarkt erliegen, zuvor über keinerlei Herzbeschwerden klagten. „Die Symptome werden von den betroffenen Frauen oft als Magenverstimmung, Verspannung oder bronchialer Infekt missgedeutet. Aber bei Patientinnen über 50 Jahren mit mehreren Risikofaktoren sollten solche Symptome auch immer als mögliches Indiz einer koronaren Herzerkrankung gesehen werden,“ so Prof. Sabin. “Bedenken Sie auch, dass bis zu 20 Prozent der Herzinfarkte gar keine Schmerzen verursachen. Diese so genannten stummen Infarkte sind besonders häufig bei Patienten mit Diabetes mellitus. Der Herzinfarkt wird dann, wenn überhaupt, erst im Nachhinein festgestellt.“

Aufmerksam machen

„Der Kampf gegen kardiologische Erkrankungen muss so früh wie möglich begonnen werden,“ mahnt Prof. Sabin. „Unsere Erfahrungen zeigen, Frauen rechnen nicht mit einem Infarkt und warten bei auftretenden Symptomen häufig erst einmal ab. Das kann ihnen leicht zum Verhängnis werden.“ Der Herzspezialist appelliert an alle Frauen, ihre Beschwerden ernst zu nehmen: „Jede Frau sollte sich darüber bewusst werden, dass auch ihr ein Herzinfarkt drohen kann. Sie sollte sowohl die Frühwarnzeichen als auch die spezifisch weiblichen Symptome eines Infarktes kennen, damit im Ernstfall nicht wertvolle Zeit verstreicht!“

Eingestellt von Detlef Klemme - BLiCKpunkt Redaktionsbüro

 
Quelle: Elisabeth-Krankenhaus Essen
 

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Eine Reaktion zu “Frauen hört die Signale!”

  1. WomensVita

    Dabei sind doch Frauen eigentlich immer hellhörig und achten sehr gut auf ihren Körper.

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