Mobilitätsförderung in der Altenpflege

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Prof. Dr. Angelika Zegelin

Prof. Dr. Angelika Zegelin. Foto: Universität Witten/Herdecke

Pflegewissenschaftlerin setzt sich für gezieltes Bewegungskonzept in Seniorenheimen ein

Ältere Menschen fürchten sich vor dem Verlust der Autonomie. Diese Angst nimmt sehr großen Einfluss auf die tatsächliche Selbstständigkeit, wie Angelika Zegelin von der Abteilung Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke zu berichten weiß.

„Rund die Hälfte der Leute, die in ein Altenheim kommen, können schon ein Jahr später nicht mehr selbst gehen und stehen.“ Das Traurige daran: Vielfach bei sind gar keine schweren körperlichen Gebrechen an dieser Entwicklung schuld. „Die Menschen sind nur altersschwach, doch ohne Förderung verlernen wir das Laufen und Stehen!“

Die Pflegewissenschaftlerin setzt sich deshalb stark gegen die so genannte „Immobilisierung“ ein. Deutschlandweit hat Zegelin bereits in fünf Einrichtungen in Bayern und Berlin gezielt Bewegungskonzepte umgesetzt, die immer zu positiven Resultaten führten:

„Jedes Mal wurden die Heimbewohner mobiler und blieben es auch länger.“ Nun will die Professorin ihr Programm namens „Mobilitätsförderung in der Altenpflege“ auch auf Nordrhein-Westfalen ausweiten.

Es wird klar ersichtlich: Um das geeignete Seniorenheim zu finden, lohnt ein Blick auf die Fördermaßnahmen von Seiten der Heimleitung und Personal! Was umfasst das Konzept von Zegelin?

Zunächst erstellt die Pflegewissenschaftlerin eine Ist-Analyse vor Ort. Wie sind die räumlichen Gegebenheiten im Seniorenheim? Es geht Zegelin weniger um bauliche Änderungen – vor allem die Neugier soll im Alter bewahrt bleiben und die Unterkunft immer wieder mit erkundenswerten Ecken aufwarten. Solch ein „Mobilitätspfad“ kann mehrere Bereiche für Entspannung, Unterhaltung, Sport oder Handarbeit beinhalten.

Immer wieder kommen die von Zegelin entwickelten „Biografieposter“ zum Einsatz. Die riesigen Grafiken mit hunderten von Details zum Zeitgeschehen bieten bei jedem Besuch neue Einsichten und sind für anknüpfende Gespräche, persönliche Erinnerungen und Assoziationen geeignet.

Wichtig ist es, so viel Alltag wie möglich für die Bewohner zu erhalten. „Wir beziehen die Menschen stark ins Konzept ein. Wer nämlich mit der Einstellung in ein Altenheim geht, dass ihm alles abgenommen und für ihn geregelt wird, kommt in eine Spirale und verliert dadurch tatsächlich seine Selbstständigkeit.“

Mobilität ist auch im Alter wichtig. Foto: Flickr.com, hebedesign

Mobilität ist auch im Alter wichtig. Foto: Flickr.com, hebedesign

Zegelin hat für „Mobilitätsförderung in der Altenpflege“ eine Liste mit etwa 20 Maßnahmen erstellt. Die individuellen Vorschläge beachten alle möglichen Aspekte: Das reicht von der Umgestaltung des Gartens oder Speisesaals über das bessere Einbeziehen der Angehörigen bis hin zur Vereinheitlichung von Handgriffen des Pflegepersonals.

Ob Hilfs- und Fachkraft in der Betreuung oder Altenpflege – die demografische Entwicklung macht den Ausbau und die Professionalisierung in diesem Sektor unabdingbar. Um mehr über die Ausbildung zu erfahren, lohnt der Besuch von Serviceseiten. Grundlegende Anforderungen sind auch häufig zu finden bei Stellenangebote “Pflege”.

Für die Pflegewissenschaftlerin steht die Bestätigung und Wertschätzung der Bewohner im Vordergrund. Aktuell will sie neue Kooperationen aufbauen: „Für das Programm suchen wir noch Pflegeeinrichtungen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind.“

Zegelins Konzept ist so unterstützenswert, da es neben den erfreulichen Ergebnissen der Studie (mehr Mobilität, mehr Lebensfreude) auch dem Verständnis einer alternden Gesellschaft im Gesamten gut tut.

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Eine Reaktion zu “Mobilitätsförderung in der Altenpflege”

  1. Confianza

    Finde ich ganz, ganz toll was sie macht!
    Wünsche ihr viel Glück und Durchhaltevermögen auf ihren weiteren Weg. Solche Menschen machen das Leben doch ein kleines bisschen besser!

    LG,
    Sandra

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