Pflege – alles Privatsache?

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Pflege | flickr.com, polaroid667 (Bert Krages)

Welche Maßnahmen ergreifen Arbeitgeber, wenn es um das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ geht? Erschreckend wenige bis gar keine, so lautet das Ergebnis einer repräsentativen Studie der GfK im Auftrag von berufundfamilie. An der Befragung nahmen bundesweit 500 Betriebe teil.

Wer seine Eltern, Schwiegereltern oder auch den Partner zuhause pflegt, weiß um den personellen wie finanziellen Aufwand, der dahinter steckt. Je nach Pflegestufe kann die Betreuung zu einem äußerst zeitintensiven „Zweitberuf“ für die Angehörigen werden.

Auf Verständnis oder gar Unterstützung von Seiten der Unternehmen dürfen Erwerbstätige leider immer noch nicht hoffen.

Denn wie die Studie „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ offen legt, haben sich 62 Prozent der befragten 500 Unternehmen noch gar nie mit diesem Thema beschäftigt! Bei 71 Prozent der Betriebe gibt es keinerlei Maßnahmen, die es den Beschäftigen ermöglichen, trotz Pflegetätigkeit den bisherigen Beruf weiterhin ausüben zu können.

Diese Ignoranz und Unbedarftheit der Unternehmen überrascht doch, zumal das Thema Pflege für Menschen aller Altersstufen ein großes Thema darstellt. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl der Pflegebedürftigen fast verdoppeln!

In Deutschland haben derzeit rund zweieinhalb Millionen Bürger Anspruch auf eine Pflegeversicherung, über eine Million Pflegebedürftige werden allein von Angehörigen in den eigenen vier Wänden gepflegt!

Einerseits wünschen sich viele der Pflegebedürftige, so lange wie möglich im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Andererseits benötigen die Betreuer dabei häufig selbst Hilfe. Eine flächendeckende Unterstützung für die Pflege daheim mit Linara und anderen professioneller Vermittlern ist begrüßenswert, da Standards gewahrt und Angehörige entlastet werden.

Diese Maßnahmen können nur erfolgversprechend sein, wenn auch die politischen Rahmenbedingungen dafür stimmen. Das fängt bereits im Vorfeld bei Förderungen von baulichen Anpassungen an, reicht über die häusliche, teils betreute bis hin zur komplett stationären Pflege, die für Angehörige finanzierbar bleiben muss.

Neben beim Beispiel der desinformierten Unternehmen kommt auch die Bürokratie erschwerend hinzu:

Wie lange hat es beispielsweise gedauert, bis Hilfen aus Osteuropa ohne langwierige zentrale Genehmigung legal in Deutschland tätig werden durften? Als ob das Leugnen dieser Beschäftigen und das Abstrafen physisch und psychisch überforderter Angehöriger irgendetwas am grundlegenden Pflegebedarf ändern würden!

Aktuell befürchten Experten des Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), dass sich die Situation zur Pflege hierzulande weiter verschärft. Im Zuge der Berufsanerkennungsrichtlinie 2005-36-EG soll nämlich die Voraussetzung bei der Kranken- und Altenpflegeausbildung innerhalb Europas angeglichen werden.

Die damit einhergehende gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufs klingt zunächst erfreulich. Es bedeutet allerdings auch, dass fortan eine mittlere Reife nicht mehr zur Berufsausübung reicht. Laut bpa würden bei dieser Regelung etwa 90 Prozent aller Jugendlichen ausgeschlossen, die sich derzeit für den Krankenpflegeberuf interessieren.

So wünschenswert die Professionalisierung der Pflege ist, so schwierig wird diese Richtlinie beim demografische Wandel auf der einen und der bereits existente Fachkräftemangel auf der anderen Seite umzusetzen sein.

Bild via flickr.com, Bert Krages

Eine Reaktion zu “Pflege – alles Privatsache?”

  1. Karla

    Ich stimmt auch zu. aber es ist auch immer bekannter das es keine arbeitskräfte mehr in dem Bereich der Betreuung gibt sowohl in Krankenhäusern als auch in Pflegeeinrichtungen. Ich habe für mich selber einen Job in dem bereich gesucht und es war eigentlich ein leichtes den richtigen zu finden. irgend jemand muss diesen job auch machen. jedoch sollte er besser bezahlt werden.

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