Schlafentzug sorgt für Stromausfall im Gehirn

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Schlafentzug hat weitreichendere Folgen im Gehirn als bislang angenommen: Die Steuerzentralen für das Sehen und die Aufmerksamkeit sind bei akutem Schlafentzug immer wieder von einem regelrechten Stromausfall betroffen, der die Aktivität drastisch herunterfährt. Die Auswirkungen sind durchaus dramatisch: Der Stromausfall im Hirn geht zulasten der Fähigkeit, dem Sichtbaren einen Sinn zu verleihen oder es in seinen entsprechenden Kontext einzuordnen.Auch bei ausgeruhten Menschen haben die Wissenschaftler immer wieder das Phänomen beobachtet, dass die Aufmerksamkeit der Probanden kurzfristig abgefallen ist. Doch dafür hält das Gehirn gewissermaßen ein Notstromaggregat bereit. Wird ein Nachlassen der Leistung registriert, springen übergeordnete Kontrollregionen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ein und gleichen die Minderleistung aus. Bei lang andauerndem Schlafentzug nimmt die Kompensationsfähigkeit jedoch merklich ab. Bei den Versuchen fanden die Forscher ebenfalls Auffälligkeiten in den Hirnregionen, die für Sinnesreize und Wahrnehmung zuständig sind. Nach Ansicht der Wissenschaftler dokumentieren die Ergebnisse den inneren Kampf, der sich im Gehirn abspielt nur zu deutlich: Das Bewusstsein gibt den Befehl wach zu bleiben, während das Gehirn das Signal nach Schlaf und Erholung aussendet. Wechselweise behält jeweils ein Teil die Oberhand in dieser Auseinandersetzung. In den wachen Phasen dominiert das Bewusstsein. In Perioden geringer Aufmerksamkeit und visueller Beanspruchung verfällt das Gehirn auch im Wach-Zustand in einen schlafähnlichen Zustand.

Jürgen Ponath

Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro

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