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Fast 60: Reiten – mein neues Hobby!

Ich erzählte es im Bekanntenkreis. Maria ließ klappernd ihre Kuchengabel fallen und ihr Mann Martin schien mich nicht gehört zu haben. Jedenfalls rührte er weiter in seiner Kaffeetasse, während der Löffel leise gegen die Tasse klirrte. Maria fasste sich als erste wieder. Hastig schluckte sie ihr Kuchenstück hinunter und presste hervor: „Wie jetzt? So richtig hüahü??“ Dabei ahmte sie die schaukelnden Bewegungen eines Reiters nach.

Keine Ahnung, weshalb sie ins Kinderdeutsch verfiel, nur weil ich meinen Freunden mitteilte, dass ich vorhatte, mit dem Reiten wieder anzufangen. Na gut, ich gebe zu, meine letzten Reitversuche liegen vierzig Jahre zurück.

Trotzdem zieht es mich zurück auf den Rücken eines Pferdes. Wer sagt denn, dass man, nur weil man die fünfzig hinter sich gelassen hat und jetzt stramm auf die sechzig zugeht, nicht mehr reiten darf?

Na, wer schon, Maria natürlich. „In deinem Alter! Du wirst runterfallen und dir alle Knochen brechen. Aber darüber denkst du nicht nach.“

Nein, tue ich nicht. Stattdessen  ziehe ich alte Klamotten an und mache mich auf, hinaus in den Reitstall. Es ist ein Offen-Stall und ich muss meinen ganzen Mut zusammennehmen, als ich zwischen die Pferde hindurchgehen soll. Zum Glück bahnt mir die Besitzerin den Weg. Ich habe die Reitstunde als Einzelunterricht gebucht. Das hat den Vorteil, dass die Reitlehrerin genau auf meine Bedürfnisse eingehen kann und ich jederzeit abbrechen kann, wenn mir etwas zu viel wird.

Doch zuerst mache ich mich mit dem Pferd ein wenig bekannt. Es ist eine Stute und ich striegle ihr Fell. Später steige ich zum ersten Mal nach vierzig Jahren wieder auf einen Pferderücken. Komisch, das war doch damals – vor wieviel Jahren gleich noch mal? – gar nicht so schwer. Weshalb komme ich da jetzt nicht hinauf? Mir bricht der Schweiß aus. Aber dann schaffe ich es doch noch. Dann die nächste Überraschung: „So wackelig hatte ich es gar nicht in Erinnerung.“ Schon nach einigen Runden fühlt sich das Reiten fast normal an, und gar nicht mehr wackelig.

Als ich wieder absteige, bin ich sehr froh, dass ich diesen Schritt in ein neues Hobby gewagt habe. Eine tolle Möglichkeit, seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun.

Diese Erfahrungen liegen schon ein paar Wochen zurück und ich wage mich jetzt regelmäßig aufs Pferd. Hätte ich auf meine Freundin Maria gehört, würde mir eine sehr emotionale, ursprüngliche und sportliche Erfahrung fehlen. „Das ganze Glück der Erde liegt auf dem Rücken schöner Pferde!“  heißt ein altes Sprichwort. Ich kann das nur bestätigen. Morgen gehe ich wieder reiten!

Quelle:Lars Eirich/PIXELIO

Quelle:Lars Eirich/PIXELIO

  • 11. Mai 2012
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