Hund feiert Therapie-Erfolge bei Alzheimer-Patienten
Der kräftige Retriever hört auf den schönen Namen Valentin und feiert einen bislang einzigartige Erfolge. Valentin ist der erste Alzheimerhund in Deutschland. Im Hamburger Seniorenheim Sunrise zeigt der Therapiehund, was so alles in ihm steckt. Und das ist nicht ohne: Der Hund kann menschliche Gesten genau einschätzen und ist zudem durch einen Augenkontakt in der Lage zu erkennen, ob er sich einer an Alzheimer erkrankten Person nähern soll oder nicht. All das konnte Valentin natürlich nicht von Geburt an. Für den Umgang mit Alzheimerpatienten wurde der Retriever zwei Jahre lang ausgebildet. Kostenpunkt: 25.000 Euro.
Der Einsatz des nicht unerheblichen Geldbetrags, um das Tier in der Therapie von Alzheimer einzusetzen, hat sich gelohnt. Valentin kann nicht nur die Tür öffnen oder die Zeitung holen. Seine Talente kommen immer dann besonders zur Geltung, wenn Tugenden wie Geduld und Sanftmut gefragt sind. Schlagen Demenzkranke wild um sich und wären in klassischen Einrichtungen nur medikamentös wieder zu beruhigen, so schafft Valentin in diesen Situationen für Deeskalation. Der Hintergrund: Valentin hat eine beruhigende Wirkung auf die Heimbewohner. Untersuchungen bestätigen diesen Effekt des ausgebildeten Hundes.
Die Idee, Hunde zur Therapie von Demenzkranken einzusetzen, stammt aus den USA. Jochen Jung, Direktor des Senioren Domizils Sunrise in Hamburg brachte die Idee aus Übersee nach Deutschland. Die Suche nach einem kompetenten Partner für die Ausbildung der Tiere dauerte ein ganzes Jahr. Dann stieß Jung auf Vita e.V. und lernet so Tatjana Kreidler kennen. Schnell war klar, dass beide das Projekt Alzheimerhund realisieren könnten. Valentin – das Produkt eines Pilotversuchs ist heute im Einsatz – in Frankfurt und tageweise in Hamburg.
Die Erfolge von Valentins Einsatz sind erstaunlich. So brach ein Patient sein zweiwöchiges Schweigen nach Valentins Intervention und begann wieder zu sprechen. Anderen Patienten ist Valentin ein guter Begleiter, Freund und Unterstützer geworden. Die bislang gesammelten Erfahrungen bewerten die Experten derart positiv, dass künftig mehr Demenzhunde zum Einsatz kommen sollen, um die Lebensqualität der Erkrankten zu erhöhen.
Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro





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Am 6. März 2009 um 22:47 Uhr
Mich wundert es gar nicht, dass nun auch empirisch nachgewiesen konnte, dass Hunde bei Alzheimer-Patienten zu Therapieerfolgen führen können. Für viele ist es auch eine Art Kindersatz, denn sie erinnern sich, ist Alzheimer noch nicht so stark fortgeschritten, tatsächlich an Essenszeiten des Hundes, sowie weitere Bedürfnisse. Ich hoffe, dass diese wissenschaftlichen Befunde dazu führen, dass noch mehr Therapiehunde eingesetzt werden.
Am 11. Juni 2009 um 14:36 Uhr
Der Einsatz von Hunden in der Arbeit mit Demenzkranken ist nichts Neues. Schon seit so einigen Jahren lassen sich in Deutschland Professionelle (z.B. Therapeuten; Pädagogen) mit ihren Hunden zusammen ausbilden. Und es gibt eine Menge Alteneinrichtungen, in denen Hunde eine solchen Job tun. Damit meine ich NICHT die ehrenamtlichen Besuchsprogramme, sondern speziell qualifiziertes Fachpersonal, das den Hund zur Unterstützung in seine Arbeit einbindet. Wichtigste Voraussetzung ist und bleibt hier für mich das therapeutische Team. Einen Hund alleine - wie es in diesem Artikel den Eindruck erweckt - handeln und agieren zu lassen, halte ich nicht nur für wenig sinnvoll, sondern auch für gefährlich. Ich kann nur hoffen, dass das Tier eine feste Bezugsperson hat, mit der es gemeinsam arbeitet und abends mit dieser auch nach Hause geht. Ich bezweifel zudem, dass ein Hund durch Augenkontakt mit einem Demenzkranken entscheiden kann, wann er sich dieser Person nähern darf und wann nicht. Wer mit Demenzkranken arbeitet und sich mit Hunden etwas auskennt, kann da nur den Kopf schütteln. Die Tatsache, dass Tiere allgemein - also nicht nur Valentin - eine beruhigende Wirkung haben können, ist schon lange bekannt. Ich muss sagen, ich finde es ziemlich anmaßend diese “alte” Idee als neue Sensation darzustellen. Vielleicht aber wurde hier von dem Verfasser einfach schlecht recherchiert.
Am 8. Juli 2009 um 16:48 Uhr
Natürlich tritt der im Blog beschriebene Hund nicht als alleiniger “Therapeut” auf. Sollte dieser Eindruck entstanden sein, so möchte ich dies hiermit dringend klarstellen. Er ist in ein umfassendes Therapiekonzept eingebunden. Grundsätzlich sind immer menschliche Therapeuten mit dem Hund im Einsatz. Ob die Demenz-Therapie mit Unterstützung eines Hundes neu ist oder nicht, ist meiner Meinung nach nicht von übermäßigem Interesse. Der Nachrichtenwert besteht darin, dass die Therapie nachweislich gut funktioniert und der breiten Masse so nicht bekannt ist. Meiner Erfahrung nach sind besonders Angehörige von Demenzkranken froh, wenn sie Informationen über neue Möglichkeiten in der Therapie erhalten.
Ihren Eindruck, die “alte Idee” sei als “neue Sensation” dargestellt worden, möchte ich zurückweisen. Es ist möglicherweise nicht vollständig neu, Hunde in der Demenztherapie einzusetzen. Denkbar ist aber auch, dass Sie als “Sozialpädagogin mit Therapiehund” über einen größeren Erfahrungshorizont verfügen als der “normale” Leser oder Angehörige von Demenzkranken. Darüber hinaus bin ich grundsätzlich der Auffassung, dass der Blog das Thema nicht als Sensation darstellt. Dazu greift man üblicherweise auf völlig andere Stilmittel zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Ponath
Am 29. November 2009 um 12:50 Uhr
Sehr geehrter Herr Ponath,
natürlich verfüge ich über einen größeren Erfahrungsschatz als “normale Leser”. Dennoch dürfen Sie nicht vergessen, dass gerade ich (und viele meiner Berufskollegen) im Gegensatz zu Ihnen in ständigem Austausch mit solchen “normalen Lesern” und “Angehörigen von Demenzkranken” stehe/n. Und man kann behaupten, dass der Mehrzahl dieser Menschen die von Ihnen betitelte “Demenztherapie” (wobei sich über das Wort “Demenztherapie” auch wieder diskutieren ließe) kennen sowie darüber, dass Tiere in der Arbeit mit Demenzkranken eingesetzt werden, sehr wohl informiert sind. Die Medien, vor allem Zeitungen sind voll davon. Beinhahe täglich erscheinen in diversen Blättern Artikel zu der Thematik. Zudem vermittelt schon der Begriff “Alzheimerhund” einen vollkommen falschen Ansatz, denn nicht jede Demenz ist eine Alzheimererkankung. Ein riesen Spektrum an Formen und Ausprägungsgraden liegt vor. Ist denn dieser Hund nur für Alzheimerkranke?
Eine gute Recherche beinhaltet für mich eine allgemeine Information, denn wie gesagt, ist Deutschland inzwischen voll von Menschen, die ihren Hund professionell einsetzen.
Des Weiteren ist eigentlich auch bekannt, dass die Ausbildung eines “Therapiehundes” vor allem auch die Ausbildung seines Halters beinhaltet. Die zwei werden als Team zusammen geschult und das kostet wahrlich keine 25.000 Euro. Denn die professionelle Arbeit an sich ergibt sich insbesondere aus der Bindung und Beziehung von/zwischen Hund und Halter. Natürlich wird der Hund auf seine spezielle Aufgabe vorbereitet, aber er ist kein “Wunderhund”, der irgendwas selbstständig an Augenkontakten ablesen kann, sondern er agiert im Kontakt zu seinem Halter, dem Pädagogen, Arzt oder Therapeuten und dem speziellen Kontext. Er begleitet seinen Halter bei seiner Arbeit und unterstützt ihn. Und demnach ist der Halter auch nicht beliebig austauschbar. Viele Beispiele haben gezeigt, dass sogenannte “Heimhunde” ohne feste Bezugsperson irgendwann überfordert sind und sich im Kontakt mit dem Menschen (Patienten, Klienten, Bewohner) verändern. Ferner ergibt kaum eine “Therapie” für sich alleine nachweislich solche Erfolge wie sie dargestellt werden. Es ist immer ein Zusammenspiel aus verschiedenen Ansätzen, die nicht ausschließlich alle mit dem Hund zu tunhaben.
Ich würde meinen Hund übrigens nicht an einen agressiven Erkrankten heranlassen. Ich habe die Verantwortung auch meinen Hund zu schützen, zudem kann jede schlechte Erfahrung des Tieres seine Freude am Einsatz gefährden. Und diese ist absolute Voraussetzung für eine solche Arbeit.
Letztendlich möchte ich Sie persönlich nicht angreifen, sondern kritisiere eher die Initiatoren dieser “neuen” Idee, die sie verfälscht nach außen präsentieren, vorausgesetzt Sie haben genau das wiedergeben, was Ihnen berichtet wurde.
Der Schlußsatz “Die bislang gesammelten Erfahrungen bewerten die Experten derart positiv, dass künftig mehr Demenzhunde zum Einsatz kommen sollen, um die Lebensqualität der Erkrankten zu erhöhen” kann sich nur auf die Einrichtung beziehen, in der Valentin tätig ist. Diese Aussage beinhaltet genau das, was mich stört und was ich in meinem ersten Beitrag bereits beschrieben habe. Doch ich möchte mich jetzt nicht wiederholen.
Mit freundlichen Grüßen
Am 3. Dezember 2009 um 10:24 Uhr
Sehr geehrte Sozialpädagogin mit Therapiehund,
ich freue mich sehr, dass Ihnen das Thema derart unter den Nägeln brennt, dass Sie eine derart ausführliche Stellungnahme dazu verfasst haben. Vielen Dank für Ihre Mühe. Lassen Sie mich dazu ebenfalls einige Worte loswerden. Als Berichterstatter können wir häufig nicht aus fachlicher Perspektive beurteilen, wie effektiv Therapien wirklich sind. Hier sind wir auf den Input sogenannter Experten angewiesen. Wir beide wissen, dass sich bei der Befragung dieser Experten nur allzu häufig unterschiedliche Betrachtungsweisen für eine Fragestellung ergeben. Meiner persönlichen Auffassung nach ist dies auch nicht weiter schlimm, weil so eine Diskussion in Gang gesetzt werden kann. Und das ist meist mehr als man erwarten darf. Das scheint im vorliegenden Fall so zu sein und freut mich. Wenn es obendrein gelingt, dass der eine oder andere über das Thema Demenz oder auch Alzheimer nachdenkt, dann freue ich mich sogar sehr. Besonders vor dem Hintergrund demographischer Veränderungen sollte es in unserem Interesse sein, Tabuthemen anzusprechen und selbstbewusst damit umzugehen. Sollten mir im vorliegenden Fall Ungenauigkeiten unterlaufen sein, dann bitte ich Sie mir dies nachzusehen. Nicht immer liegt dies an mangelnder Kenntnis. Manchmal verlangt die verständliche Formulierung Vereinfachungen, die Fachleute nicht in jedem Fall mittragen können.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Ponath