Immer mehr Senioren im Knast
Der demografische Wandel sorgt dafür, dass die Rentner in Deutschland rüstig bis ins hohe Alter sind. Die Kehrseite der Medaille: Immer mehr alte Menschen werden straffällig und sitzen in Gefängnissen ein. In Nordrhein-Westfalen (NRW) steigt die Anzahl sogenannter Senioren-Häftlinge in den Gefängnissen. So waren im vergangenen Jahr 484 von 18.000 Menschen hinter Gittern älter als 60 Jahre. Zum Vergleich: 2004 saßen nur 395 Häftlinge im Seniorenalter von über 60 Jahren in nordrhein-westfälischen Gefängnissen ein.
Nordrhein-Westfalen ist keine Ausnahme: Die deutsche Gesellschaft altert langsam aber sicher – und mit ihr altern auch die Kriminellen. Mit der ansteigenden Zahl von Senioren erhöht sich auch die Zahl der Straftaten, die von dieser Personengruppe begangen werden. Gab es vor etwa zehn Jahren knapp 110.000 Tatverdächtige in ganz Deutschland, die älter als 60 Jahre waren, so stieg die Zahl auf 150.000 potenzielle Täter im Jahr 2007 an. Der älteste Häftling in NRW zählt 84 Jahre und wurde wegen versuchten Totschlags zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Im oberfränkischen Bayreuth ist ein Sexualstraftäter inhaftiert, der seiner Entlassung im Jahre 2013 entgegensieht. Alter: 81 Jahre.
Der demografische Wandel bleibt denn auch nicht ohne Auswirkungen auf die Gefängnisse: Und so gibt es zum Beispiel in Bochum und Hövelhof (Kreis Paderborn) Pflegeabteilungen für ältere Gefangene. Die Kosten für die Gesundheitsversorgung älter werdender Häftlinge steigen ebenfalls, werden aber zurzeit nicht statistisch erfasst. Im Haushaltsentwurf 2009 werden dafür 9,8 Millionen Euro veranschlagt. Die Justizvollzugsanstalt Detmold verfügt sogar über eine eigene Senioren-Abteilung. Dort finden 22 Gefangene über 62 Jahren Platz. Eine Erweiterung auf 42 Plätze ist geplant.
Alarmierend ist der Anstieg der Alterskriminalität nach der Auffassung von Experten allerdings nicht. Auch wenn Rentner zukünftig mehr Straftaten begehen: Sie werden wohl nicht so kriminell wie die Jüngeren. Statistiken belegen eindeutig, dass die Wahrscheinlichkeit eine Körperverletzung zu begehen bei 20-Jährigen etwa vierzigmal höher liegt als bei Senioren jenseits von 60 Lebensjahren. Kuriose Schlussfolgerung: Die innere Sicherheit dürfte langfristig sogar der Gewinner sein.Â
Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro
Tags: Gefängnis, Knast, Senioren








Am 24. Februar 2009 um 12:59 Uhr
So führt die Alterspyramide zu weniger Kriminalität - hat also auch eine gute Seite
Dann kostet die Kriminalitätsbekämpfung weniger und die Renten können angehoben werden?
Am 3. März 2009 um 15:38 Uhr
Die Frage ist aber trotzdem, warum so viele Senioren überhaupt Straftaten begehen. Vielleicht wegen der geringen Rente, oder wollen sie vielleicht einfach nur Aufmerksamkeit?
Am 3. März 2009 um 17:50 Uhr
Lieber Oldman,
ob die Renten deswegen spürbar angehoben werden?
Ich habe da so meine Zweifel. In den letzten Monaten ist so viel Geld verbrannt worden, wenn da nur ein Bruchteil an die Rentner … Ach lassen wir das.
Beste Grüße
Jürgen Ponath
Am 4. März 2009 um 09:22 Uhr
Liebe Sylvia,
ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass niedrige Renten oder mangelnde Aufmerksamkeit dafür verantwortlich sein sollen, dass die Zahl der Straftaten, die von Senioren begangen werden, steigt. Vielmehr denke ich, dass wir die Wahrscheinlichkeitsrechnung bemühen dürfen: Mehr Senioren bedeuten mehr Straftaten von älteren Menschen. Diese Formel bildet das Geschehen meiner Meinung nach ab.
Beste Grüße
Jürgen Ponath
Am 23. März 2009 um 14:02 Uhr
Interessante Statistik. Könnte mir auch vorstellen, dass es daran liegt, dass die Senioren von heute nicht den Senioren von “damals” entsprechen. Wer heute 60 ist zählt zwar zu den Senioren, muss allerdings nicht dem klassischen Bild eines alten Menschen entsprechen - weder körperlich, noch geistig. Davon abgesehen stimme ich Jürgen zu: mehr Senioren, mehr Straftaten.
Am 26. März 2009 um 00:55 Uhr
Zum Thema “Nordrhein-Westfalen ist keine Ausnahme:”