Klassische Renten-Irrtümer

Teilen:   facebook   facebook

Die Rente ist sicher. Mit diesem Leitspruch warb die Bundesregierung unter den damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm in den 1980er-Jahren trotz des Wissens um den demographischen Wandel. Sicher ist indes nur eines: Irrtümer und falsche Annahmen über die Rente sind weit verbreitet und lassen sich nur schwerlich ausmerzen. Jeder weiß etwas Wichtiges zum Thema zu berichten – die korrekten Sachverhalte sind aber nur wenig bekannt. Höchste Zeit also, um die klassischen Renten-Irrtümer aufzuklären.

Ehemänner haben keinen Anspruch auf Witwenrente.

Eine ebenso hartnäckige wie falsche Annahme. Seit der Reform des Hinterbliebenenrechts sind Männer und Frauen in der Rentenversicherung gleichberechtigt. In den ersten drei Monaten nach dem Tod des Ehepartners besteht immer ein Anspruch, wenn der dieser bereits Rentner war oder bis zu seinem Tod mindestens fünf Jahre rentenversichert war. Ab dem vierten Monat kann jedoch ein eigenes Einkommen angerechnet werden.

 

Die letzten Jahre vor der Rente sind besonders wichtig.

Falsch! Die Rente berechnet sich aus allen bis zum Rentenbeginn zurückgelegten rentenrechtlichen Zeiten. Alle Beitragsjahre sind also von gleicher Bedeutung für die Rente.

 

Rente gibt es erst, wenn 15 Beitragsjahre erreicht sind.

Auch falsch! Seit 1984 ist für einen Rentenanspruch ab dem 65. Lebensjahr eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erforderlich. Hierauf werden neben Beitragszeiten (inklusive Kindererziehungszeiten) auch Ersatzzeiten und Zeiten aus einem Versorgungsausgleich angerechnet.

 

Wenn man 45 Beitragsjahre erreicht hat, kann man mit 60 in Rente gehen.

Stimmt leider nicht. Durch das Gesetz “Rente mit 67” ist eine besondere Wartezeit (Mindestversicherungszeit) von 45 Jahren eingeführt worden. Voraussetzung für eine abschlagsfreie Altersrente ist, dass man 65 Jahre alt geworden ist und 45 Jahre mit Pflichtbeiträgen nachweisen kann. Beide Voraussetzungen müssen also gleichzeitig vorliegen. Zu den 45 Jahren zählen Kindererziehungszeiten und Kinderberücksichtigungszeiten (bis zum 10. Geburtstag des Kindes). Es zählen aber keine Zeiten, in denen man Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II (Arbeitslosenhilfe) bezogen hat. Auch die Wartezeitmonate, die man nach einer Ehescheidung hinzugewonnen hat, fallen unter den Tisch.?

 

Alle Arbeitnehmer müssen jetzt bis zum 67. Lebensjahr arbeiten.

Wird oft behauptet, stimmt aber nicht. Der Geburtsjahrgang 1964 muss als erster bis zum 67. Lebensjahr arbeiten. Die Altersgrenze wird schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Wer bis 1946 geboren ist, ist von den Gesetzesänderungen gar nicht betroffen. Bei den Geburtsjahrgängen 1947 bis 1963 wird die Regelaltersgrenze stufenweise angehoben.

 

Abschläge für eine vorzeitige Altersrente enden, wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist.

Falsch! Abschläge für eine Altersrente, die man vor der Regelaltersgrenze bezieht (zwischen dem 65. und 67. Geburtstag – abhängig vom Geburtsjahrgang) gelten lebenslang. Sie gelten auch bei anschließend gezahlten Hinterbliebenenrenten.

 

Zur Rente darf man 450 Euro hinzuverdienen, ohne dass diese gekürzt wird.

Falsch! Wer eine Altersrente vorzeitig in Anspruch nimmt oder eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bezieht, darf 400 Euro dazuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Wer mehr hinzuverdient, der kann seinen Rentenanspruch ganz oder teilweise verlieren. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze entfallen die Hinzuverdienstgrenzen.

 

Die Altersrente des Ehepartners wird auf die eigene Altersrente angerechnet.

Ebenfalls ein Irrtum. Die eigene Rente wird nicht auf die des Ehepartners angerechnet. Ausnahme: Bei Rentenansprüchen nach dem Fremdrentengesetz (in der Regel Deutsche aus Osteuropa), gibt es eine Begrenzung der gemeinsamen Rentenansprüche.

 

Für jedes Babyjahr gibt es Geld.

Falsch! Das sogenannte Babygeld bekommen nur Frauen, die vor 1921 geboren wurden. Mütter der Geburtsjahrgänge 1921 und jünger bekommen Kindererziehungszeiten wie Beitragszeiten auf das Rentenkonto gutgeschrieben. Für Kinder, die bis zum 31. Dezember 1991 geboren wurden, erhält man ein Jahr, für Kinder, die ab dem 1. Januar 1992 geboren sind, drei Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet. Einen Rentenanspruch hat man aber nur dann, wenn die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt ist. Dazu zählen auch Zeiten der Kindererziehung.?

 

Die Rente kommt automatisch.

Leider nicht. Leistungen aus der Rentenversicherung müssen beantragt werden. Wichtig: Stellen Sie Rentenanträge drei Monate vor dem geplanten Rentenbeginn.

 

Frauen können mit 60 Jahren in Rente gehen.

Dies gilt nur für Frauen, die vor dem 1. Januar 1952 geboren sind. Sie können ab dem 60. Lebensjahr gegebenenfalls mit einem Abschlag nur dann in Rente gehen, wenn sie die Wartezeit von 15 Jahren erfüllt und ab dem 40. Geburtstag mehr als zehn Jahre (mindestens 121 Kalendermonate) Pflichtbeiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben.

 

Eine Rehabilitationsmaßnahme führt zur Kürzung der späteren Rente.

Eine Rehabilitationsmaßnahme mindert die spätere Rente nicht.?

 

Als Selbstständiger kann ich mir meine Rentenbeiträge auszahlen lassen.

Das ist nicht richtig. Eine Auszahlung der Rentenbeiträge ist generell nicht möglich. Eine Ausnahme gibt es nur für gewisse Berufsgruppen, die eine eigenständige Altersvorsorge haben. Darunter fallen Selbstständige nicht. Sie können sich die Beiträge erst mit 65 Jahren auszahlen lassen und das auch nur, wenn bis dahin keine fünf Jahre Rentenbeiträge eingezahlt wurden. Ansonsten bekommen sie eine reguläre Altersrente.?

Jürgen Ponath

Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro

Tags: ,

2 Reaktionen zu “Klassische Renten-Irrtümer”

  1. rainulf a stelzmann

    custodis war ein guter Bekannter beim Studium in Bonn. Spaeter habe ich ihn einmal in Koeln besucht, als er dort Lehrer war. Er wird sich wohl kaum an mich erinnern
    Professor Dr. Rainulf A. Stelzmann, ranulfus@ verizon.net

  2. Dirk R. Schuchardt

    FEHLER in Ihrer Antwort zu “Als Selbstständiger kann ich mir meine Rentenbeiträge auszahlen lassen.”

    Das ist nicht richtig. Eine Auszahlung der Rentenbeiträge ist generell nicht möglich. Eine Ausnahme gibt es nur für gewisse Berufsgruppen, die eine eigenständige Altersvorsorge haben. Darunter fallen Selbstständige nicht. Sie können sich die Beiträge erst NACH ERREICHEN DER REGELALTERSGRENZE (65..67 Jahre) auszahlen lassen und das auch nur, wenn bis dahin keine fünf Jahre Rentenbeiträge eingezahlt wurden. Ansonsten bekommen sie eine reguläre Altersrente.

Einen Kommentar schreiben

CAPTCHA image