Krank im Urlaub – Risiken falsch eingeschätzt
Acht von zehn Deutschen fürchten sich davor im Urlaub an Malaria zu erkranken. Die Tropeninfektion wird unter den Reisekrankheiten am meisten gefürchtet. Doch die Gefahr ist lange nicht so groß, wie angenommen. Statistische Zahlen sprechen eine andere Sprache. Denn: Jährlich infiziert sich nur einer von 100.000 deutschen Urlaubern mit Malaria. Die Gesundheitsrisiken auf Reisen lauern dagegen an anderer Stelle. Die größte Gefahr bei Auslandsreisen geht von Durchfallerkrankungen aus. Nach Informationen des renommierten Robert Koch Instituts erkrankt jeder dritte Reisende daran. Die Auswirkungen sind ernst und reichen von kurzzeitigen Infekten bis hin zum tödlichen Ausgang. Älteren Menschen setzen Durchfallerkrankungen oft besonders zu. Trotzdem stufen sechs von zehn Deutschen dieses Krankheitsbild als ungefährlich ein. Das hat eine repräsentative Studie vom „Deutscher Ring Krankenversicherungsverein a.G“ mit dem Titel „Gesundheit auf Auslandsreisen“ ergeben. Weil die Gesundheitsgefahren falsch eingeschätzt werden, mahnen Experten seit Jahren eine bessere Information und vorbeugendes Verhalten an.
Vor allem für ältere Menschen, Kleinkinder und Schwangere ist der Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust gefährlich. Kreislaufzusammenbrüche und Nierenversagen sind mögliche Folgen. Und nicht immer sind die Beschwerden nach wenigen Tagen überstanden. Weltweit sterben jedes Jahr rund drei Millionen Menschen an Durchfallerkrankungen. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr in Ländern mit niedrigem Hygienestandard. Auch auf Gruppenreisen, wie etwa bei Kreuzfahrten, verbreiten sich Durchfallerreger sehr schnell. Bakterielle Verschmutzung von Nahrung und Wasser, aber auch die ungewohnte feuchte Hitze oder Stress begünstigen Infektion. Dabei sind in den meisten Fällen Kolibakterien für die Erkrankung verantwortlich. Je nach Urlaubsziel empfehlen Experten vor Reisebeginn Impfungen gegen bestimmte virale und bakterielle Erreger. Einen generellen Schutz gegen Durchfall gibt es allerdings nicht. Das Infektionsrisiko kann aber insbesondere durch die Einhaltung nahrungsmittelhygienischer Grundsätze im Urlaubsland verringert werden. Dazu gehört häufiges Händewaschen ebenso wie einfache Vorsichtsmaßnahmen, beispielsweise nur durchgegarte Speisen zu essen und kein Leitungswasser zu trinken.
Reisemedizinische Beratungen können die Gesundheitsrisiken im Ausland deutlich senken und wird vor allem für ältere und sehr junge Menschen empfohlen. In den Haupt-Urlaubszielen deutscher Familien werden neben den Durchfallerkrankungen insbesondere Hepatitis A und B sowie Infektionen durch Zeckenbisse zum unliebsamen Souvenir. Wie aus der Studie “Gesundheit auf Auslandsreisen” vom Deutschen Ring hervorgeht, fürchten sieben von zehn Reisenden Hepatitis. Tatsächlich infizieren sich zwar jährlich nur etwa 1.500 deutsche Urlauber, also drei von 100.000 Reisenden, gerade bei Fahrten in wärmere Länder ist die Ansteckungsgefahr aber nicht zu unterschätzen. Während Hepatitis A vornehmlich über Nahrungsmittel übertragen wird, findet die Infektion mit der lebensbedrohlichen Hepatitis B über Hautverletzungen statt.
Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro






