Seniorenheime werden multikulti

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Die Betreiber von Seniorenheimen in Deutschland reagieren zunehmend auf eine Situation mit der eigentlich niemand so richtig gerechnet hatte. Weil die Lebensgewohnheiten der in Deutschland lebenden Muslime ebenso einer dramatischen Wandlung unterworfen sind wie die der Deutschen kommt es dazu, dass die türkischen Großfamilien kleiner werden. Der traditionelle Familienverbund bei dem sich die Angehörigen um die Alten kümmerten, funktioniert längst nicht mehr so wie früher. Entgegen der ursprünglichen Pläne bleiben immer mehr Migranten der ersten Generation in Deutschland. Alles das führt dazu, dass die Bedürfnisse nach Betreuungsangeboten für Migranten steigen.

Ende 2007 nahm das erste Pflegeheim für türkische Senioren seinen Betrieb auf. Standort: Berlin-Kreuzberg. Im „Türkischen Haus zum Wohlfühlen“ wie die Einrichtung in der deutschen Übersetzung heißt, ist alles auf die Bedürfnisse muslimischer Bewohner ausgerichtet. Ein goldener Halbmond auf dem Dach verkündet auch nach außen sichtbar, dass es sich nicht um ein klassisches Seniorenheim handelt. Die Gebetsräume sind nach Mekka ausgerichtet und das Essen berücksichtigt die religiösen Vorschriften – das sind nur einige wenige Dinge, die den Migranten der ersten Generation den Aufenthalt versüßen und ein Stück Heimat schaffen. Das Wohlfühl-Haus war ursprünglich als Modellprojekt gestartet. In der Zwischenzeit ist man darüber längst hinaus, weil der Bedarf besteht.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lebten in Deutschland im Jahr 2005 rund 840.000 ausländische Mitbürger, die älter als 60 Jahre waren – darunter rund 195.000 Türken. Diese Zahl steigt von Jahr zu Jahr kontinuierlich an. Prognosen des deutschen Zentrums für Altersfragen zufolge werden 2010 etwa 1,3 Millionen Senioren mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik leben – 2030 sogar 2,8 Millionen.

Dass es nicht immer ein rein türkisches Altenheim sein muss, das beweisen viele andere Beispiele. Denn in der Zwischenzeit haben auch die „traditionellen“ Einrichtungen erkannt, dass akuter Handlungsbedarf besteht. Zunehmend stellen sich die Häuser auf die Kultur und Religion neuer Bewohner ein. In Köln-Mühlheim haben die Verantwortlichen zum Beispiel einen großen Besucherraum eingerichtet. Der Hintergrund: Die „neuen Alten“ bekommen viel und zahlreichen Besuch – im Gegensatz zu vielen Deutschen. Auch in Duisburg setzt man vermehrt auf die multikulturelle Zusammensetzung der Heimbewohner. Türken, Tunesier, Niederländer und Deutsche – sie alle finden problemlos Platz unter einem Dach. Auch hier gibt es separate Gebetsräume für Muslime und Christen. Entscheidend ist jedoch etwas ganz anderes: Die Menschen müssen sich gegenseitig respektieren und akzeptieren.

Jürgen Ponath

Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro

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2 Reaktionen zu “Seniorenheime werden multikulti”

  1. Simone Burger

    Hallo liebe Blogger,
    schöner Artikel! Ich finde das Thema sehr interessant, da ich einer muslimischen Freundin geholfen habe, für ihren Vater ein Heimplatz zu finden. Es war gar nicht so leicht, ein Heim zu finden, wo auf die Bedürfnisse muslimischer Bewohner eingegangen wird. Das fängt schon beim Essen an, und hört bei den Sprachbarrieren auf. Ich habe letztens auch einen guten Blogbeitrag bei Pflege.de. Es werden ja immer mehr muslimische Bürger einen Heimplatz suchen. Ich denke, dass das Thema in Zukunft noch mehr in den Fokus rücken wird.

    Liebe Grüße
    Simone

  2. max

    simone, falls du diesen beitrag liest, ich würde mich für den beitrag auf pflege.de interessieren. hast du den link noch, danke,
    max (dm: je.m@gmx.de)

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