Sterbehilfe – Star-Dirigent stirbt auf eigenen Wunsch

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Der Freitod des britischen Star-Dirigenten Sir Edward Downes entfacht die Diskussionen um das Thema Sterbehilfe auf Neue. Downes und seine unheilbar an Krebs erkrankte Ehefrau wendeten sich an die Schweizer Sterbeklinik Dignitas, um dort Begleitung beim Übergang in den Tod zu erhalten. Nach Angeben des Sohnes litt der Dirigent nicht an einer unheilbaren Krankheit. Der 85-Jährige beklagte aber schwerwiegende alterstypische Erscheinungen wie den Verlust des Gehörs, starke Beeinträchtigungen des Sehvermögens und andere Gebrechen. Aus diesen Gründen entschloss sich das Ehepaar aus dem Leben zu scheiden – und haben so die Diskussionen um das Thema Sterbehilfe in vielen europäischen Ländern in die Schlagzeilen gebracht.

Jahrzehntelang zählten Edward und Joan Downs zu den schillernden Figuren der klassischen Musikszene Londons. 49 Jahre lang dirigierte Edward Downes das BBC Philharmonic Orchestra. Über 17 Jahre leitete er das Orchester der königlichen Oper von Covent Garden. Ehefrau Joan machte sich als Ballerina einen Namen und schaffte es später als Choreografin zu überregionaler Bedeutung.

In unterschiedlichen Ausprägungen haben in Europa bislang nur die Benelux-Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg sowie die Schweiz Regelungen zur Sterbehilfe legalisiert. In Deutschland gibt es trotz intensiver Bemühungen einiger Gruppen bislang kein spezielles Gesetz, das ein menschenwürdiges Sterben bei unheilbaren Krankheiten regelt. Bereits 1986 legte eine interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppe einen „Alternativentwurf eines Gesetzes über Sterbehilfe“ vor. Doch die Diskussion in Deutschland verläuft seitdem fast ausschließlich auf einer theoretischen Ebene und zirkuliert ergebnislos im rechtswissenschaftlichen Bereich. Auf der Basis dieser Diskussion hat aber das Thema Patientenverfügung dafür gesorgt, dass sich die Politik kürzlich auf eine gesetzliche Regelung verständigt hat. Europäische Länder wie Spanien, Frankreich oder Italien diskutieren das Thema Sterbehilfe ebenso kontrovers wie die Deutschen.

Der Freitod des Künstlerpaars mit Hilfe der Schweizer Organisation Dignitas beschäftigt auch die Eidgenossen. Nach Medienberichten erwägt der Bundesrat Pascal Couchepin ein Verbot der organisierten Suizidhilfe. Das berichtet die Ärztezeitung. Der Staat müsse sehr zurückhaltend sein, wenn es um das Leben von Menschen gehe, sagte Couchepin. Als Konsequenz forderte der Politiker eine kontroverse Debatte über die Suizidbeihilfe in der Schweiz. Der Vorstoß von Couchepin dürfte auf fruchtbaren Boden treffen. Denn erst kürzlich hatte eine Vereinbarung über die organisierte Suizidhilfe für Gesprächsstoff gesorgt. Die Übereinkunft zwischen Exit, der Vereinigung für humanes Sterben, und der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich soll am 15. September 2009 in Kraft treten. Sie regelt in mehr als 50 Punkten rechtliche Grundlagen und spart auch finanzielle Aspekte nicht aus. Demnach darf ein Freitod-Begleiter jährlich höchstens zwölf Menschen in den Tod begleiten und maximal 500 Franken als Spesen in Rechnung stellen.

Die neuen Regelungen im Kanton Zürich besagen, dass Suizidhilfe nur dann zu gewähren ist, wenn der Wunsch zu sterben von einem psychisch Gesunden geäußert wird und aus „einem schweren, krankheitsbedingten Leiden heraus entstanden ist“. Bei Doppelsuiziden wie dem britischen Künstlerpaar müssen ab September zwei Ärzte hinzugezogen werden. Außerdem ist sicherzustellen, dass die Voraussetzungen für jede Einzelperson erfüllt werden.

Jürgen Ponath

Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro

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