Unverschämte Veranstalter zocken Senioren ab…
Kaffeefahrten, Verkaufsveranstaltungen für Senioren
Nachfolgenden Beitrag erhielten wir von Tanja Stern
(Buchautorin aus Berlin).
Sehr geehrte Damen und Herren,
da ich kürzlich beruflich mit dem Phänomen der Verkaufsveranstaltungen für Senioren, den so genannten „Kaffeefahrten“ zu tun hatte und mich seither ein wenig mit der Materie beschäftigt habe, möchte ich mich hiermit an Sie wenden. Wahrscheinlich brauche ich Sie auf das Thema nicht erst aufmerksam zu machen, denn es geht ja oft genug durch Medien und Presse.
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| Tanja Stern |
Umso weniger begreife ich, dass hier von Seiten der Politik nicht längst schon eingegriffen wurde. Diese Verkaufsveranstaltungen sind methodischer Betrug und werden durchweg von Kriminellen organisiert; Ausnahmen sind mir nicht bekannt. Die Drahtzieher verschanzen sich hinter Postfächern und Phantasiefirmen, sind also für die Opfer nicht greifbar, und sie bauen auch ganz bewusst darauf, dass sich Senioren aufgrund ihres Alters schlechter gegen Unrecht wehren können und weder vom Gesetz noch von den Politikern des Schutzes für wert gehalten werden.
In letzter Zeit hat die Dreistigkeit, mit der die Menschen auf diesen Verkaufsveranstaltungen behandelt und abgezockt werden, erschreckende Ausmaße angenommen. Dass Versprechungen von Gewinnen und Geschenken zum Anlocken der Senioren eingesetzt und dann nicht eingehalten werden, ist heute schon eine Selbstverständlichkeit. Aber in letzter Zeit geht die Unverschämtheit der Veranstalter so weit, dass nicht einmal die Fahrten selbst durchgeführt, die Teilnehmer vielmehr irgendwo in abgelegenen Gaststätten abgesetzt und stundenlang mit allen Methoden des Psychoterrors unter Verkaufsdruck gesetzt werden.
Senioren, die dagegen aufmucken wollen, sich weigern zu kaufen oder die versprochenen Gewinne einfordern, werden rüde beschimpft, lächerlich gemacht, oft auch des Saales verwiesen und ohne Rückfahrtmöglichkeit in der „Pampa“ ausgesetzt, was dann auch andere einschüchtert, dem Beispiel der Rebellen zu folgen. Auch im Nachhinein ist eine Gegenwehr oder Wahrnehmung von Rücktrittsrechten unmöglich, da die Veranstalter grundsätzlich mit Falschnamen und Scheinfirmen operieren, keine korrekten Quittungen und Rechnungen ausstellen und mit dem ergaunerten Geld so
spurlos verschwinden, dass ihr Verbleiben selbst von Detektiven kaum ermittelt werden kann.
Es ist in erster Linie der Gesundheitssektor, auf dem die Kriminellen operieren und Gewinnspannen erzielen, von denen ehrliche Geschäftsleute nur träumen können. Dabei nutzen sie hauptsächlich folgende Faktoren gezielt für ihre Zwecke aus:
- Einsamkeit: Für viele Senioren sind die Einladungen zu diesen Werbeverkaufsveranstaltungen die einzige Post und die einzige Ansprache, die sie überhaupt erhalten. Sie ergreifen gierig jede Gelegenheit, einmal unter Menschen zu kommen und für einen Tag beschäftigt zu sein.
- Armut: Die Veranstalter locken mit Gewinnen und Geschenken, die für Empfänger von schmalen Renten selbstverständlich von hohem Reiz sind. Wurde in den 90er Jahren wenigstens noch ein Teil der Geschenke tatsächlich an die Senioren ausgegeben, so gehen sie inzwischen weit gehend leer aus.
- Krankheit: Wohl wissend, dass ein kranker Mensch, der unter Schmerzen und Todesangst leidet, bereit ist, nach jedem Strohhalm zu greifen, verkaufen die Veranstalter Wässerchen und Wundermittel, indem sie den Käufern die dreistesten Lügengeschichten über Heilerfolge und Expertenempfehlungen auftischen.
Ich weiß nicht, wie der Schaden zu beziffern ist, der den älteren Menschen durch solche Veranstaltungen zugefügt wird, aber nach allem was ich dazu erfuhr, dürfte er jährlich in die Milliarden gehen. Meiner Ansicht nach ist hier ein drastischer Eingriff der Politik nötig; der gesamte Geschäftszweig muss gesetzlich verboten und als Betrug gebrandmarkt werden. Da an die Firmen nicht heranzukommen ist, könnte zunächst eine Verordnung an sämtliche Gastwirtschaften ergehen, die es verbietet, Räume für solche Verkaufsveranstaltungen zur Verfügung zu stellen, wenn Sitz und Herkunft der Firma nicht geprüft werden können. Aber auch die Veranstalter selbst könnten bei systematischen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sicher dingfest gemacht und bestraft werden: So sind die meisten dieser Firmen in Bremen angemeldet, wo offenbar das Gewerbeamt bei den Betrügereien mitspielt. Auch hier gibt es Möglichkeiten des Eingriffs.
Da mich dieses Thema persönlich sehr beschäftigt und empört, habe ich mich entschlossen, dazu Anfragen an zuständige Politiker und Vertreter öffentlicher Institutionen zu richten. Ihr Blog richtet sich an die Senioren, und ich hoffe sehr, dass Sie das Thema dort zur Diskussion stellen werden.
Mit freundlichen Grüßen aus Berlin
Tanja Stern
(Anschrift, Rufnummer und E-Mail sind der Redaktion bekannt)
Tags: Betrug, Kaffeefahrten, Kriminelle, Psychoterror, Scheinfirmen, Senioren, Verkaufsveranstaltungen, Werbeverkauf





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Am 23. Dezember 2008 um 20:23 Uhr
Anmerkung der Redaktion:
gerne veröffentlichen wir Ihre Zuschrift.
Kleine, aber durchaus hilfreiche Möglichkeiten hat jeder Bürger um den Abzockern das Leben etwas zu erschweren…
Sie erfahren von einer Verkaufsveranstaltung:
- informieren Sie das zuständige Gewerbeamt
und/oder die Verbraucherzentrale.
- sprechen Sie den Wirt/Betreiber an und teilen ihm mit,
dass Sie sein Lokal nicht mehr betreten, wenn weiterhin
solche Veranstaltungen dort durchgeführt werden.
Beste Grüße aus Paderborn
Detlef Klemme
Redaktion Senioren-Blogger
Am 26. Dezember 2008 um 12:35 Uhr
Weder Gewerbeämter noch Verbraucherschutzzentralen kümmern sich um solche Praktiken; insbesondere der Verbraucherschutz, der für gewöhnlich in Deutschland sehr streng ist, kann nicht greifen, da die Firmen grundsätzlich mit Falschnamen operieren. Hier müsste detektivisch recherchiert werden, und das könnte nur über Justiz und Staatsanwaltschaft laufen. Das Problem ist, dass die Geschädigten selbst sich oftmals nicht als solche empfinden. Für den halbwegs aufgeklärten Bürger ist es selbstverständlich leicht, den Fallen aus dem Wege zu gehen, schon indem er gar nicht erst an Kaffeefahrten teilnimmt. Aber diese Veranstaltungen wenden sich eben nur an solche Bürger, die nicht wehrhaft sind - und wohl leider auch nicht dieses Blog hier lesen.
Am 25. Januar 2009 um 15:24 Uhr
Die Masche auf der Kaffeefahrt:
Angelockt und abgezockt
“markt” - NDR Fernsehen Montag, 26. Januar 2009 20:15 Uhr
Am 3. Februar 2009 um 21:09 Uhr
Die Masche auf der Kaffeefahrt
Angelockt und abgezockt (Markt 26.01.2009)
Hier der Beitrag des NDR auf den wir hingewiesen haben.