Zocken wie die Teenies

Jeder kennt das klischeehafte Bild des rotäugigen und bleichen Teenagers, der sich in virtuellen Räumen die Seele aus dem Leib ballert. Nicht zuletzt die dramatischen Amokläufe der Vergangenheit haben maßgeblich zur Verbreitung dieses Schemas beigetragen. Im Windschatten dieser Diskussionen gerät aber zunehmend aus dem Blickfeld, dass ältere Erwachsene zu den Gruppen zählen, die am stärksten gefährdet sind, wenn es um das Thema Spielsucht geht.

Amerikanischen Forschern aus Queensland zufolge sind neben psychosozialen Auslösern wie dem Verlust von Kontakten und einer damit verbundenen Einsamkeit vor allem neurologische Gründe für die Spielsucht in fortgeschrittenen Lebensphasen verantwortlich. Die Ursache für die Spielsuchtgefahren von Senioren liegt also im Gehirn. Weil sich der Stoffwechsel verändert und der Stirnlappen schrumpft, nimmt mit zunehmendem Alter die Fähigkeit ab, sich selbst wirkungsvoll zu kontrollieren. Die Untersuchungsergebnisse wurden zwar auf der Basis von Automatenspielen erhoben. Experten gehen aber davon aus, dass das Resultat bei Online-Spielen nicht wesentlich anders ausgefallen wäre. Der Trend zum Spielen in virtuellen Räumen nimmt auch bei den Senioren ständig zu. Dabei hegen die Alten Vorlieben vor allem für Strategie- und Geschicklichkeitsspiele. Auch Egoshooter – bei jüngeren Generationen heftig umstritten – erfreuen sich zunehmend größerer Beliebtheit.

Jürgen Ponath

Jürgen Ponath | textpoint Redaktionsbüro

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