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Pfefferminze gegen das Vergessen

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Seelsorgerin Lewitz-Danguillier hält Demenz-Gottesdienste

Antje Lewitz-Danguilliers - Foto: Andreas Elschner
Mit ihrem mobilen Altar schafft die Pastorin Kirchen-Atmosphäre.
Fotos: Andreas Elschner

Recklinghausen/ Castrop-Rauxel/ Bielefeld (JW). Sie singen in jedem Gottesdienst „Lobet den Herren“, hören den 23. Psalm und sprechen dieselben Gebete. Was andere Kirchenbesucher schrecklich langweilen würde, ist für Antje Lewitz-Danguilliers ‚Gemeinde’ genau das Richtige: In den Gottesdienst der Seelsorgerin in den Johanneswerk-Alteneinrichtungen Karl-Pawlowski-Altenzentrum und Haus am Ginsterweg kommen Menschen, die am Verlust ihrer Erinnerungen leiden.

Seit drei Jahren hält Lewitz-Danguillier in Recklinghausen und Castrop-Rauxel spezielle Gottesdienste für Menschen, die an Demenz erkrankt sind – und geht dabei mit viel Fantasie und Einfühlungsvermögen auf deren besonderen Bedürfnisse ein. „Beim Demenz-Gottesdienst ist eine ganz persönliche Gestaltung sehr wichtig“, erzählt die 44-Jährige, die auch Gottesdienste für andere Bewohner veranstaltet. Die Gruppen sind mit zehn bis fünfzehn Personen eher klein, die Abläufe immer gleich. Zu Beginn wird jeder Bewohner einzeln begrüßt.

Blumen, Handschuhe und Herbstlaub wecken Erinnerungen

Eine große Rolle spielen Symbole: Zu jedem Gottesdienst bringt Lewitz-Danguillier ein Utensil mit, das die Sinne anspricht: duftende Blumen, schwarze Handschuhe, buntes Herbstlaub. Gerade diese Elemente, die bei vielen Menschen Erinnerungen wecken, sorgen oft für Überraschungen. „Mich berührt es sehr, wenn ich unerwartete Reaktionen auslöse“, erzählt die Pastorin. „Als ich im Winter einen Teller frischen Schnees mitbrachte, begann eine sonst sehr passive Bewohnerin, den Schnee mit den Fingern zu formen – als wollte sie einen Schneemann bauen“. Andere Bewohner, die nie sprechen, erzählen plötzlich von ihrer Kindheit. Auch duftende Pflanzen wie Pfefferminze können Positives bewirken: „Einige Bewohner erinnern sich lächelnd an die Mutter, die sie bei einer Erkältung liebevoll umsorgte und einen Tee ans Bett brachte“, sagt sie.

Auch durch bestimmte Rituale, bekannte Lieder und Klänge versucht Lewitz-Danguillier Kontakt herzustellen zu den Menschen, die schwer zu erreichen sind, sie herauszuholen aus ihrer Isolation. „Zum Beispiel beginne ich immer mit Glockengeläut, das beruhigt“, erklärt sie. Auch durch ihren Talar und die Elemente ihres mobilen Altars im Karl-Pawlowski-Altenzentrum – Altarbilder, Kreuz, Kerze und Blumen – schafft die Pastorin eine Kirchen-Atmosphäre, die den Zugang für viele Menschen mit Demenz erleichtert.

Kommende Generationen sind nicht kirchenfest

In der Chance des Erinnerungen-Weckens durch kirchliche Elemente steckt jedoch gleichzeitig ein Problem: „Kommende Generationen, die weniger kirchenfest sind, können durch Lieder oder Gebete vielleicht nicht mehr so gut erreicht werden – da werden neue Angebote nötig sein“, sagt Lewitz-Danguillier. Doch auch bei ihnen, ist sich die Pastorin sicher, können die Gottesdienste etwas bewirken: „Bei unseren Begegnungen und der Segnung, den Berührungen – da passiert etwas, das ich gar nicht in Worte fassen kann. Auch für Menschen ohne religiösen Hintergrund öffnet sich plötzlich eine neue Dimension, und ich kann einen Bezug zur Liebe Gottes herstellen. Das tröstet ungemein“.

Quelle: Ev. Johanneswerk.

Eingestellt von Detlef Klemme - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Domizilsuche

 
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